GVU-Insolvenz: Die Piratenjäger sind pleite

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      GVU-Insolvenz: Die Piratenjäger sind pleite

      Über 35 Jahr jagte die GVU Raubkopierer und Filesharer, sorgte dabei auch selbst für Schlagzeilen. Jetzt ist der Verein insolvent.

      Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Zum Insolvenzverwalter wurde laut Bekanntmachung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg der Berliner Rechtsanwalt Torsten Martini bestellt (Az. 36g IN 1933/20). Die GVU kann auf einige Erfolge im Kampf gegen die Verbreitung illegaler Kopien zurückblicken, hat aber auch selbst für Schlagzeilen gesorgt.

      35 Jahre auf Piratenjagd

      Die GVU war 1985 von Organisationen der Filmbranche gegründet worden, um gegen illegale Kopien von Filmen auf Videokassetten vorzugehen. Ende der 1990er Jahre stieß die Computerspielebranche zum Unterstützerkreis hinzu. Im Jahr 2000 wurde Microsoft Mitglied und das Aufgabengebiet der GVU erweiterte sich auch auf Anwendungssoftware. Mit Aufkommen des Internets ging die GVU gegen alle möglichen Urheberrechtsverletzungen
      vor. Auch Musik- und Verlagsbranche zählten zu den Unterstützern des Vereins.

      Über die weiteren Hintergründe der Insolvenz ist zur Stunde nicht viel mehr bekannt. Offenbar hatten zuletzt Geldgeber ihre Unterstützung entzogen. So hatte das gewöhnlich gut informierte Blog Tarnkappe berichtet, dass der Verband der US-Filmindustrie der GVU seine Unterstützung entzogen und die GVU den Betrieb eingestellt
      hatte. Zuletzt war es auch stiller geworden um den Verein, der in den vergangenen Jahren häufiger für Schlagzeilen gesorgt hatte.

      Erfolge und fragwürdige Methoden

      Bei der GVU haben Experten aus verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet, um Urheberrechtsverletzungen aufzuspüren, erste Ermittlungen anzustellen und Verstöße dann zur Anzeige zu bringen. Im Laufe der Jahre konnte die GVU mit einigen Erfolgen für Aufsehen sorgen. Ein Höhepunkt war die Razzia gegen die Hintermänner des Filesharing-Portals Kino.to, die in mehrere Verurteilungen zu Haftstrafen mündete. Zuletzt konnte sich die GVU die Stilllegung des Filehosters share-online.biz auf die Fahnen schreiben.

      Selbst ins Visier der Behörden geriet die GVU Anfang 2006, nachdem gemeinsame Recherchen von c't und onlinekosten.de fragwürdige Ermittlungsmethoden der Piratenjäger aufgedeckt hatten. Die GVU hatte demnach die Verbreitung von illegalen Kopien auch aktiv unterstützt, um Informationen über die Szene zu sammeln. In einem anderen Verfahren rügten Richter die Rolle der GVU-Ermittler und deren zu große Nähe zu staatsanwaltlichen Ermittlungen. (vbr)

      Quelle: heise.de