Hackerangriff: Persönliche Dokumente von deutschen Politikern und Promis veröffentlicht

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      Hackerangriff: Persönliche Dokumente von deutschen Politikern und Promis veröffentlicht

      Unbekannte haben angebliche persönliche Daten und parteiinterne Dokumente deutsche Politiker und anderer Prominenter veröffentlicht.

      Unbekannte haben im Laufe des Dezembers persönliche Daten und parteiinterne Dokumente Hunderter deutscher Politiker und anderer Personen des öffentlichen Lebens in einem Twitter-Adventskalender veröffentlicht. Betroffen sind Politiker der CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und FDP. Wie die Informationen in die Hände der Cyberkriminellen gelangt sind, ist derzeit noch unklar.

      Die Veröffentlichung von Kontaktdaten der Bundes- und Landespolitikerinklusive Telefonnummern, persönliche Daten und parteiinterne Dokumente erfolgte über den Twitter-Account @_0rbit in einem Weihnachtskalender.
      Die Veröffentlichung erregte allerdings zuerst keine Aufmerksamkeit, bis der RBB am heutigen Freitag darüber berichtete.

      Hinter den virtuellen Türchen führten Links zu den Informationen, die auf dem Blogspot-Account von 0rbiter und bei diversen Filehostern zu finden waren. Mittlerweile wurde der Blog entfernt. Der Urheber beschreibt sich bei Twitter selbst mit den Begriffen „Security Researching“, "Künstler", "Satire" und "Ironie"; er hat auf Twitter mehr
      als 17.000 Follower. Als Ort wird Hamburg angeben.


      Persönliche Dokumente

      Nach einer ersten Sichtung der Dokumente befinden sich zwar keine politisch brisanten Dokumente unter den veröffentlichten Informationen, sehr wohl aber eine Reihe persönlicher Dokumente wie Briefe, Rechnungen
      und Einzugsermächtigungen. Darüber hinaus enthalten die Archive teilweise Chats mit Familienmitgliedern und Kreditkarteninformationen. Offenbar handelt es sich vor allem um ältere Dokumente.

      Aus welchen Quellen die Daten stammen und wie zuverlässig sie sind, ist bislang völlig unklar, die Nachforschungen laufen. Die völlig unterschiedlichen Inhalte – von öffentlich zugänglichen Informationen wie beispielsweise Adressen über Handy-Nummern bis zu sensiblen privaten Daten – sowie divergierende Original-Veröffentlichungszeiträume
      sprechen dafür, dass die Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammengesammelt wurden und nicht von einer zentralen Stelle stammen.

      Es wurden zudem nicht nur Politiker-Daten veröffentlicht, sondern beispielsweise auch angebliche Daten von Youtubern wie Gronkh, Rappern wie Sido, Marteria und K.I.Z. oder Komikern wie Nico Semsrott. Auch Jürgen Resch, der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die seit einiger Zeit mit ihren Klagen für Diesel-Fahrverbote Schlagzeilen macht, ist unter den Betroffenen.

      Wer hinter der Aktion steckt, ist derzeit nicht bekannt. Auch mit welcher Intention die Informationen über die deutschen Politiker ins Netz gestellt worden sind, ist völlig unklar.

      Quelle: heise
      Dateien
      Festnahme nach Datenklau bei Politikern und Prominenten
      Nach dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente ist ein 20-Jähriger in Hessen vorläufig festgenommen worden.

      Der nach dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente vorläufig festgenommene 20-Jährige aus Mittelhessen ist in vollem Umfang geständig. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

      Zudem will sich Innenminister Horst Seehofer am frühen Nachmittag vor der Hauptstadtpresse äußern. Zuvor hatte der CSU-Politiker betont, er werde die Bevölkerung "nur mit belastbaren Fakten und nicht mit Vermutungen" informieren. Neben ihm auf dem Podium sollen der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, und der Chef des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, sitzen.

      Seehofer hatte sich am Montag von Münch und Schönbohm auf den aktuellen Stand der Ermittlungen bringen lassen. Rund 1000 Politiker, Prominente und Journalisten sind nach Angaben des Innenministeriums von dem Online-Angriff betroffen. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden wurden. Das BSI habe schon im vergangenen Jahr von fünf Fällen gewusst - ohne einen Zusammenhang zu erkennen.

      Nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND/Dienstag) bekamen Opfer der Online-Attacken in den vergangenen Tagen Anrufe mit Nummern aus Russland. Die Anrufer blieben aber anonym. Sicherheitskreise zweifelten, ob die Anrufe von den Urhebern des Angriffs kamen und nicht möglicherweise von Trittbrettfahrern, um einen Verdacht auf russische Nachrichtendienste zu lenken, meldet der RND.

      Mit seiner zögerlichen Reaktion auf den Skandal hatte sich Seehofer viel Kritik eingehandelt. Tagelang höre man nichts von Seehofer, dabei sei dieser der politisch Verantwortliche, sagte Linken-Chef Bernd Riexinger am Montag. Auch die SPD nimmt den Minister in die Pflicht. "Beim BSI herrscht Kommunikationswirrwarr, und diese Behörde untersteht dem Bundesinnenminister", sagte der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag). Lischka beklagte zugleich die Zersplitterung der für die IT-Sicherheit zuständigen Behörden und forderte eine bessere Koordination und klare Verantwortlichkeiten.

      Im Gegensatz zu Lischka stellte sich der CDU-Innenpolitiker Phlipp Amthor hinter das BSI. "Es ist unsachlich und greift zu kurz, jetzt einseitige Kritik am BSI zu üben", sagte Amthor der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Behörde habe die gesetzliche Aufgabe, die IT-Sicherheit der Staatsorgane des Bundes zu schützen. Der Schutz der privaten Kommunikation von Amtsträgern gehöre bisher hingegen nicht zu den gesetzlichen Aufgaben des BSI. An die Kritiker des BSI appellierte Amthor, lieber eine personelle Stärkung der Behörden zu unterstützen.

      Forderungen nach strukturellen Änderungen kamen neben Lischka auch von der Opposition. Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte der "Heilbronner Stimme": "Struktur, Aufgaben und Kommunikation von BSI, BKA und Geheimdiensten müssen neu bestimmt werden." Schleswig-Holsteins Minister für Digitalisierung, Jan Philipp Albrecht (Grüne), forderte ein beim BSI und den Ermittlungsbehörden angesiedeltes eigenes Ermittlungs- und Analysepersonal mit direkten Durchgriffsmöglichkeiten bei Anbietern wie Twitter. Außerdem müssten auch technisch nicht versierte Nutzer in die Lage versetzt werden, Mindeststandards einzuziehen. Albrecht sprach in der "Rheinischen Post" von "Sicherheitsgurten" und "Streifenpolizisten" für das Internet.

      Der vom Datenklau besonders betroffene Grünen-Parteichef Robert Habeck hatte am Montag angekündigt, sich als Konsequenz aus dem Ärger um Wahlkampf-Tweets und den Datendiebstahl von Twitter und Facebook zu verabschieden. Der Soziale-Medien-Forscher Wolfgang Schweiger sieht darin eine Zäsur für die Politik im Internet. "Zum ersten Mal gibt ein Politiker zu, dass das Tempo, die Direktheit und Spontaneität in den sozialen Medien für ihn persönlich gefährlich sind", sagte der Professor für Kommunikationswissenschaft der "Augsburger Allgemeinen".

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